Aufwärmen & Beinkraft: Übungen für höhere Sprünge
Irgendwann kommt der Punkt, an dem die Technik sitzt und die Stange trotzdem fällt. Dann fehlt keine Übung am Hindernis, sondern schlicht Kraft im Absprung. Die gute Nachricht: Dafür brauchst du kein Fitnessstudio und keine Geräte — nur zwanzig Minuten und ein bisschen Regelmäßigkeit.
Warum Aufwärmen nicht optional ist
Beim Hobby Horsing springst du aus dem Lauf ab und landest einbeinig. Das ist genau die Belastung, bei der kalte Muskeln und Sehnen reißen — Sprunggelenk, Achillessehne und Knie sind hier die üblichen Verdächtigen.
Zehn Minuten Aufwärmen kosten dich pro Training weniger Zeit, als eine Zerrung dich Wochen kostet. Und du springst danach messbar besser, weil warme Muskeln schneller reagieren.
Aufwärmen in drei Schritten
1. Kreislauf hoch (etwa 5 Minuten) Locker traben, Hopserlauf, Seitgalopp, Anfersen, Kniehebelauf. Ziel ist, dass du leicht außer Atem bist und warm wirst — nicht, dass du schon platt bist.
2. Gelenke mobilisieren (etwa 3 Minuten) Fußgelenke kreisen, Hüftkreisen, Beinpendel vor und zurück, ein paar tiefe Ausfallschritte im Wechsel. Alles in Bewegung, nichts halten.
3. Sprungsystem wecken (etwa 2 Minuten) Zwanzig kleine Hüpfer auf der Stelle, dann ein paar leichte Sprünge über eine Bodenstange. Jetzt ist dein Körper bereit für die richtige Höhe.
Wichtig: Langes Dehnen mit Halten gehört ans Ende des Trainings, nicht an den Anfang. Vor dem Springen macht es die Muskulatur eher weicher statt sprungbereiter.
Fünf Übungen für mehr Beinkraft
Die folgenden Übungen brauchen nichts außer Platz. Zwei bis drei Durchgänge, zweimal pro Woche, reichen völlig.
Kniebeugen — 12 bis 15 Wiederholungen Füße schulterbreit, Rücken gerade, Gesäß nach hinten schieben, Knie zeigen in Richtung der Fußspitzen. Die Grundübung für alles, was mit Absprung zu tun hat.
Ausfallschritte — 8 bis 10 je Bein Großer Schritt nach vorn, hinteres Knie fast bis zum Boden, wieder hoch. Trainiert genau die einbeinige Kraft, die du beim Absprung brauchst.
Wadenheben — 15 bis 20 Wiederholungen Auf die Zehenspitzen, kurz halten, langsam absenken. Am besten auf einer Stufe, damit du tiefer kommst. Deine Wade liefert den letzten Schub beim Absprung.
Squat Jumps — 8 bis 10 Wiederholungen In die Kniebeuge, explosiv nach oben springen, weich landen und direkt in die nächste Beuge. Auf die weiche Landung achten: Erst der Ballen, dann die Ferse, Knie leicht gebeugt.
Einbeinige Hüpfer — 10 je Bein Auf einem Bein vorwärts hüpfen, dabei stabil bleiben. Sieht harmlos aus, ist die beste Übung gegen wackelige Landungen.
Vergiss die Körpermitte nicht
Ein großer Teil der Sprunghöhe geht nicht in den Beinen verloren, sondern im Rumpf: Wer in der Luft einknickt, verliert Höhe und Haltung gleichzeitig — und Haltung wird bewertet.
Zwei Übungen genügen: Unterarmstütz (20 bis 40 Sekunden halten, lieber kurz und sauber als lang und durchhängend) und Käfer — auf dem Rücken liegend abwechselnd gegenüberliegenden Arm und Bein ausstrecken, der untere Rücken bleibt dabei am Boden.
Ein einfacher Wochenplan
Montag: Krafttraining (die fünf Übungen plus Rumpf) Mittwoch: Techniktraining am Hindernis Freitag: Krafttraining Samstag: Langes Training oder Parcours
Zwischen zwei Krafteinheiten sollte mindestens ein Tag Pause liegen. Muskeln wachsen nicht beim Training, sondern in der Erholung danach — mehr ist hier nicht besser.
Worauf du achten solltest
Schmerz ist ein Stoppsignal. Muskelkater am Tag danach ist normal. Ein stechender Schmerz während der Übung ist es nicht — dann aufhören.
Technik vor Wiederholungen. Fünf saubere Kniebeugen bringen mehr als fünfzehn schlampige. Und schlampige Kniebeugen gehen auf die Knie.
Steigere langsam. Erst wenn eine Übung sich leicht anfühlt, kommt eine Wiederholung dazu. Wer zu schnell zu viel macht, sitzt hinterher verletzt daneben.
Wenn du wächst, sei geduldig. In Wachstumsphasen sind Sehnen und Wachstumsfugen empfindlicher. Sprungübungen dann in Maßen — und wenn etwas an Knie oder Ferse dauerhaft zwickt, gehört das ärztlich angeschaut, nicht durchtrainiert.
Häufige Fragen
Wie schnell sehe ich Fortschritte? Bei regelmäßigem Training merkst du nach etwa vier bis sechs Wochen einen Unterschied. Nicht früher, aber dann ziemlich deutlich.
Kann ich jeden Tag springen? Besser nicht. Sprungtraining belastet Sehnen und Gelenke stark. Zwei bis drei intensive Einheiten pro Woche mit Pausen dazwischen bringen mehr als tägliches Üben.
Ich bin schon fit vom Turnen. Reicht das? Wahrscheinlich hast du eine gute Basis. Die einbeinigen Übungen lohnen sich trotzdem, weil der Absprung im Hobby Horsing einseitig läuft.
Muss ich mich nach dem Training dehnen? Es schadet nicht und fühlt sich gut an. Wichtiger ist, dass du nach dem Training noch ein paar Minuten locker austrabst statt abrupt zu stoppen.
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