Wie deine Wertnote zustande kommt: Wofür es Punkte gibt
Du reitest deine Aufgabe, und am Ende steht eine Zahl auf dem Blatt: 6,8. Aber was bedeutet die eigentlich, und wo sind die fehlenden Punkte hingegangen? Hier bekommst du das Bewertungssystem einmal aufgeschlüsselt.
Vorweg: Welches Regelwerk gilt?
In Deutschland gibt es mehr als ein Regelwerk für Hobby Horsing. Dieser Artikel beschreibt die Systematik der WBO, nach der viele Turniere ausgeschrieben werden. Andere Veranstalter richten nach eigenen Ordnungen, bei denen Details abweichen können.
Was in der Ausschreibung deines Turniers steht, gilt. Nutze diesen Artikel als Orientierung, nicht als Ersatz.
Die Wertnote: eine Zahl von 10 bis 0
In Dressur und Stilspringen bekommst du keine Punktesumme, sondern eine einzelne Wertnote — mit einer Nachkommastelle, also zum Beispiel 7,3 oder 6,8.
Die Zahlen haben feste Bedeutungen:
| Note | Bedeutung |
|---|---|
| 10 | ausgezeichnet |
| 9 | sehr gut |
| 8 | gut |
| 7 | ziemlich gut |
| 6 | befriedigend |
| 5 | genügend |
| 4 | mangelhaft |
| 3 | ziemlich schlecht |
| 2 | schlecht |
| 1 | sehr schlecht |
| 0 | nicht ausgeführt |
Die Nachkommastelle zeigt die Tendenz: Eine 7,3 liegt näher an „ziemlich gut", eine 7,7 schon fast bei „gut". Und ein wichtiger Unterschied zur Schule — hier ist 10 die beste Note, nicht die 1.
Zur Einordnung: Im Reitsport werden Prüfungen meistens mit Noten zwischen 7 und 8 gewonnen. Eine 6 ist also kein schlechter Ritt, sondern ein solider.
Wofür es in der Dressur Punkte gibt
Drei Dinge fließen in deine Note ein:
Die Gangarten. Bewertet werden Rhythmus, Gleichmäßigkeit, Leichtigkeit und Ausdauer. Nicht wie schnell du bist, sondern wie gleichmäßig.
Die Bahnfiguren. Reitest du Zirkel, Volte und Schlangenlinie an den richtigen Punkten und in der richtigen Form? Ein Zirkel, aus dem ein Ei wird, kostet hier.
Deine Körperhaltung. Aufrecht und gestreckt. Dein Oberkörper stellt den Reiter dar — wer nach vorn kippt oder in sich zusammensackt, verliert Punkte, auch wenn die Figuren stimmen.
Geritten wird auf einem Viereck von 7 × 14 m.
Abzüge in der Dressur
Wenn du dich verreitest, also von der vorgegebenen Aufgabe abweichst, wird abgezogen:
- erstes Verreiten: 0,2 Punkte
- jedes weitere: 0,4 Punkte
Das ist überschaubar. Deshalb gilt: Weiterreiten ist fast immer besser als abbrechen. Ein Verreiten kostet dich zwei Zehntel — ein Abbruch kostet dich den ganzen Ritt.
Wofür es beim Springen Punkte gibt
Im Stilspringen bekommst du wieder eine Wertnote. Bewertet werden Rhythmus, der korrekte Weg durch den Parcours, das Überwinden der Hindernisse und deine Haltung. Abgezogen werden je 0,5 Punkte für jeden Hindernisfehler und für jede Verweigerung.
Merke dir daraus vor allem eins: Der Rhythmus wird mitbewertet. Wer vor jedem Sprung hektisch antritt und danach bremst, verliert Note — auch ohne dass eine Stange fällt.
Im Zeitspringen gibt es keine Note, sondern Strafpunkte und Zeit. Ein Hindernisfehler oder eine Verweigerung schlagen mit je 4 Strafpunkten zu Buche. Hier zählt die Uhr, nicht die Optik.
Im Freien Springwettbewerb springen alle über dasselbe Hindernis. Es startet bei 40 cm und steigt nach jeder Runde um 5 cm. Fällt die Stange, hast du auf dieser Höhe noch zwei weitere Versuche. Wer am höchsten kommt, gewinnt.
Und was ist mit A-Note und B-Note?
Die begegnen dir im Hobby Horsing nur bei einer Wettbewerbsform: der Quadrille, also dem Reiten in der Gruppe.
- Die A-Note bewertet Ausführung und Korrektheit — sitzt die Choreografie, stimmen die Abstände, ist die Gruppe synchron?
- Die B-Note bewertet die künstlerische Gestaltung — Idee, Musik, Gesamteindruck.
Aus beiden wird der Mittelwert gebildet, und das ist eure Endnote.
In der Einzeldressur gibt es diese Aufteilung nicht. Dort bekommst du eine einzige Wertnote.
Drei Punkte, die häufig unterschätzt werden
Gleichmäßigkeit schlägt Tempo. Rhythmus taucht in fast jeder Bewertung auf. Schneller reiten bringt dir keine bessere Note.
Haltung wird immer mitbewertet. In Dressur wie im Stilspringen. Das ist der Punkt, an dem du ohne zusätzliche Kondition Punkte holen kannst.
Genauigkeit ist trainierbar, Talent nicht nötig. Figuren an den richtigen Punkten zu reiten ist eine Frage der Wiederholung. Genau da liegen die Punkte, die am leichtesten zu holen sind.
Häufige Fragen
Ab welcher Note ist man gut? Im Reitsport gilt eine 7 als „ziemlich gut" und Siegerritte liegen meist zwischen 7 und 8. Bei deinem ersten Turnier ist alles ab 6 ein ordentliches Ergebnis.
Warum bekomme ich eine schlechtere Note als jemand, der auch alles geschafft hat? Weil nicht nur zählt, ob du durchkommst, sondern wie. Rhythmus, Genauigkeit und Haltung machen den Unterschied zwischen zwei fehlerfreien Ritten.
Kann ich die Bewertung einsehen? Frag beim Veranstalter nach dem Richterblatt. Dort stehen oft kurze Bemerkungen — das ist die beste Trainingsrückmeldung, die du bekommen kannst.
Was passiert bei Punktgleichheit? Das regelt die Ausschreibung. Meistens entscheidet ein zusätzliches Kriterium, im Zeitspringen zum Beispiel die Zeit.
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